Hans Reichl – Schwindegg

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„Wer, wenn nicht wir“

„Es ist wichtig und schön zu wissen, wohin das eigene Getreide geliefert wird. Mit meiner Mithilfe kann ein regionales Bio-Produkt entstehen. Die kurzen Lieferwege und die faire Entlohnung für das Getreide sprechen klar für diese Gemeinschaft.“

Naturland-Bauer Hans Reichl ist schon länger Teil der Barnhouse Liefergemeinschaft und gemeinsam konnten wir schon einige Projekte umsetzen. Immer wieder hält er uns auf dem Laufenden, was seine Arbeit auf dem Schafdornerhof betrifft und baut für unser Krunchy Hafer und Dinkel an.

Daneben findet man auf dem 35 ha großen Hof auch noch Weizen und Roggen für die Draxmühle, sowie Erbsen, Ackerbohnen und Luzerne-Kleegras, das an seine weiblichen Jungrinder verfüttert wird.

„Die Rinder werden aufgezogen für den Milchviehbetrieb meiner Schwester, die die Milch an die Berchtesgadener Land Molkerei in Piding liefert. Auf eine artgerechte Jungrinderhaltung wird besonderer Wert gelegt, denn diese können sich im Stall frei bewegen und haben stets Weidezugang. Auch die Bodenbewirtschaftung ist nachhaltig ausgerichtet, es findet eine überwiegend pfluglose Bodenbearbeitung statt“, erklärt und Hans, der den Hof gemeinsam mit seiner Frau Astrid Wöhrl führt.

Die Umstellung auf bio erfolgte bei den beiden 2000. Doch was treibt den Bio-Landwirt an?

„Die Schaffung und Erhaltung der natürlichen Artenvielfalt macht mir besonders Freude. Dies kann nur mithilfe einer nachhaltigen und schonenden Arbeitsweise gelingen, welche den Einsatz von Mineraldüngern und chemischen Pflanzenschutzmitteln untersagt“.

So setzt er seit sechs Jahren auf eine pfluglose Bestellung der Flächen und eine möglichst flache Bearbeitung zur Schonung der Bodenlebewesen. Auch eine intensive und dauerhafte Begrünung der Flächen durch Zwischenfruchtanbau gehören zu den Anbau- und Arbeitsmethoden des Hofes.

Neben der Landwirtschaft führt Hand Reichl gemeinsam mit seiner Frau Astrid auch das Bio-Hotel AmVieh-Theater auf seinem Hof. Das Hotel wird ökologisch bewirtschaftet, das heißt es werden nur Bioprodukte verarbeitet und den Gästen angeboten.

„Unsere nachhaltige Einstellung setzt sich im Privaten Bereich ebenfalls fort, z. B. mit einem eigenen Elektroauto, das ausschließlich mit dem eigenen Solarstrom geladen wird. Im Herbst 2018 haben wir gemeinsam mit Barnhouse und weiteren Naturbegeisterten eine 100 m lange Hecke gepflanzt, direkt neben einer seit 7 Jahren bestehenden agrarökologischen Blühfläche mit 4.000 m²“, erzählt uns Hans stolz, der sich auch in der Ökomodellregion Mühldorfer Land seit Beginn an engagiert.


“Mir macht es ungemein Spaß, zu wissen, wohin mein Getreide geht!”

Wir sind zu Besuch bei Hans Reichl auf dem Schafdorner Hof bei Schwindegg, ca. 20 Autominuten nordöstlich von Barnhouse entfernt, eingebettet in eine sanfte Hügellandschaft. Die Geschichte des traditionellen Vierseithofes, der von Hans und seiner Frau Astrid bewirtschaftet wird, reicht mehrere hundert Jahre zurück. 40 Hektar ist er groß, davon sind 30 ha Ackerland.

Der Schafdorner Hof liegt sehr idyllischin einer weitläufigen Senke und als wir eintreffen, werden wir von den Lamas Fridolin und Wendelin, den Alpakas Ernie und Bertie sowie natürlich Oskar, dem Hofhund, neugierig begrüßt. Schafe, Ponys und Hasen sind ebenfalls im Obstgarten und auf den benachbarten Weiden zu finden.

Hans Reichl baut für Barnhouse Hafer und Dinkel an,

aber auch Weizen und Roggen für die Hofpfisterei sowie Braugerste für das gute Bio-Bier der Mühldorfer Unertl-Brauerei. Bohnen, Kleegras und Erbsen wachsen für die Aufzucht von Kalbinnen (so nennt man in Bayern die weiblichen Jungrinder), die später einmal als Kühe Bio-Milch für die Molkerei Berchtesgadener Land geben werden. Der Schafdorner Hof ist Naturland-zertifiziert und wurde 2001 auf “Bio” umgestellt.

Im Obstgarten gibt es seit 10 Jahren das AmVieh-Theater, eine Kleinkunstbühne mit einem neu errichteten Biohotel. Die Besucher werden mit 100% biologischen Speisen und Getränken versorgt – viele davon stammen vom eigenen Hof. Seit die Hotelgäste wissen, dass der Hafer für das Barnhouse Granola vom Hof kommen, schmeckt ihnen das Hotelfrühstück nochmal besser.

Warum er Bio-Landwirt ist, haben wir Hans bei unserem Besuch gefragt.

“Biologische Landwirtschaft denkt in regionalen Kreisläufen. Damit schützt sie wichtige Ressourcen wie Wasser, Luft und Boden. Das Ergebnis sind artenreiche Landschaften und dauerhaft fruchtbare Böden.”, antwortet er und seine Überzeugung ist deutlich hörbar. “Das menschliche Miteinander in der Biobranche ist geprägt von Respekt und Verantwortungsbewusstsein. Und das Beste an bio: Es darf sogar beim ‘Geschäftemachen’ gelacht werden, weil Partnerschaft hier ehrlich gemeint ist.” Worte, denen wir nur zustimmen können.

Wir begleiten Hans bei seinem Rundgang über die Felder, die den Hof direkt umgeben. Natürlich interessiert uns besonders das Feld, auf dem der Hafer für unser Granola wächst. Unser letzter Besuch ist noch nicht so lange her und wir sind erstaunt, wie schnell das Getreide inzwischen wieder gewachsen ist. Mit prüfenden Blick kontrolliert Hans die Entwicklung und den Zustand der Halme, sticht Erde aus dem Acker, um uns die darin vorhandenen Regenwürmer zu zeigen – wichtige Indikatoren für einen gesunden, lebendigen Boden, der von Agrochemie verschont ist. 

Die sogenannte “Humuswirtschaft” ist im Öko-Landbau für die Bodenqualität von großer Bedeutung.

Hier wird nichts einfach “weggespritzt”, sondern genau beobachtet. Hier kommt Wissen und Erfahrung zum Einsatz, nicht die Pestizid-Kanister der großen Chemie-Multis. Auf dem Getreidefeld unerwünschte Pflanzen werden mechanisch entfernt.

Bei den vielen Gesprächen, die wir im Rahmen unseres Regional-Projekts mit Hans Reichl geführt haben, war sein großes Engagement und die Liebe zu seinem Beruf immer spürbar. Was bedeutet es für ihn denn ganz persönlich, Landwirt zu sein? “Das ist mein Traumberuf: sich in der Natur zu bewegen und sie beobachten, das Kommen und Gehen der Jahreszeiten hautnah mitzumachen. Energie pur.”, erklärt er und man fängt schon fast an, den eigenen Bürojob zu überdenken.

“Mein Leben ist ebenfalls daran angepasst. Im Sommer ist viel zu tun und die Tage lang. Aber der Spaß am Arbeiten, die frische Luft und viel Sonnenlicht verhindern ein müde werden. Im Winter kommt die Natur und damit ich selber zur Ruhe. Dann ist die Zeit des Innehaltens und Erholens. Es gibt wohl keinen Beruf, bei dem man dem natürlichen Bio-Rhythmus so nahe ist.

Direkt neben “unserem” Hafer blüht es gerade in wunderbar leuchtendem Gelb. Hier zeigt uns Hans Reichl begeistert sein Blühfeld, auf dem das ganze Jahr über unterschiedlichste Pflanzen wachsen. Das tut dem Boden gut und die Insektenvielfalt freut sich. Die Sonnenblumen aus dem letzten Jahr dienen als Wildbienen-Hotel.

Zu wissen, woher und vom wem unser Getreide kommt, ist für uns als Bio-Verarbeiter sehr wichtig bei der Zusammenarbeit mit den Partner-Landwirten. 

Aber natürlich haben auch die Bauern ihre Beweggründe. “Barnhouse ist ein Pionier in der Verarbeitung ökologischer Rohstoffe und liegt quasi vor meiner Hofeinfahrt, regionaler geht es nicht mehr. Das Image des Unternehmens für ein nachhaltiges Wirtschaften sowohl in der Produktion als auch beim Umgang mit den Mitarbeitern macht es für uns Lieferanten attraktiv.”, erklärt Hans.

“Bei mehreren Treffen mit der Mitinhaberin Sina Nagl entstand eine vertrauensvolle Partnerschaft. Wir Bauern wollten unbedingt mit ihr zusammenarbeiten. Herausgekommen sind langfristige Lieferverträge, die für beide einen verlässlichen und vernünftigen Preis beinhalten.  Nun wollen wir gemeinsam die Entstehung der Krunchys und Granolas für den Verbraucher noch transparenter machen. Uns macht es ungemein Spaß, zu wissen, wohin unser Getreide geht! Echt lässig!”

Unser gemeinsamer Rundgang endet im Innenbereich des Vierseitenhofes und wir dürfen noch herzliche Bekanntschaft mit den Eltern von Hans machen, die ebenfalls hier leben. Die familiengeführte, bäuerliche Landwirtschaft ist hier kein bemühtes Klischee, sondern wird ganz selbstverständlich gelebt.

Und Hans Reichl spricht sicher nicht nur für sich selbst, wenn er sich wünscht, dass die Barnhouse-Kunden fühlen und schmecken sollen, wieviel Spaß und Lebensfreude das regionale Arbeiten bringt. “Dazu braucht der Verbraucher natürlich Infos über uns Bauern und unsere Art der Landbewirtschaftung. Nur so kann unsere Vision ‘regional und fair ernährt mehr’ Wirklichkeit werden.”

Übrigens: Bei Interesse bekommen Sie vom Land- bzw. „Kulturwirt“ Hans Reichl auf Anfrage gerne ein Hofführung.