Neues vom Barnhouse Ackerwildkräuter-Projekt

Mit unserem Projekt zur Wiederansiedlung von Ackerwildkräutern machten wir 2018 einen weiteren Schritt bei der Förderung der Biodiversität und stellten unseren regionalen Partner-Landwirten hierfür eine autochthone Saatgut-Mischung zur Verfügung. Das Ziel: Unter dem Motto „Macht die Äcker wieder wild!“ sollen seltene, für die Artenvielfalt wichtige Wildkräuterarten wieder auf den heimischen Feldern ihren Platz finden. Denn auf den Äckern soll nicht nur das gute Bio-Getreide für Barnhouse wachsen, sie müssen auch Lebensraum für eine bunte Pflanzen- und Tierwelt bieten. Und so sorgt jedes Schüsselchen Krunchy auch für mehr Artenvielfalt.

Infoblatt Blütenangebot durch Ackerwildkräuter

Ein sonniger und heißer Vormittag Ende Juni 2019. Ortstermin mit Dipl. Univ. Forstwissenschaftlerin Rosa Kugler, die unser Ackerwildkräuter-Projekt beratend begleitet. Wir wollen uns auf zwei Feldern unserer Partner-Landwirte, auf denen im Herbst letzten Jahres unsere RegioSaatgut-Mischung ausgebracht wurde, vom Erfolg des Projekts überzeugen.

Barnhouse Partner-Landwirte Hilarius und Claudia Häußler
Bio mit Leib & Seele & ganz viel Herz: Claudia und Hilarius in ihrem lebendigen Feld

Die erste Station ist Gallenbach, wo uns Hilarius und Claudia (d’Wirtin & da Bauer) bereits erwarten. Sommerliche Hitze liegt über dem Feld und lässt es herrlich duften. Was wir sehen, weckt in uns große Begeisterung. Weiß, blau, gelb, rot und violett leuchtet es bunt und formenreich zwischen den Getreideähren hervor. Die blühenden Ackerwildkräuter machen das Feld zu einer echten Augenweide. Aber nicht nur wir haben unsere helle Freude an der Pracht: Es summt und brummt nur so auf dem Acker, denn vielerlei Insekten bedienen sich am reichlich gedeckten Blüten-Tisch. Kornblume und Klatschmohn leuchten um die Wette. Was früher ein normaler Anblick war, ist mittlerweile selten geworden.

Rosa Kugler schärft aber unseren Blick auch für die eher zarten Gewächse und macht uns auf die Pflänzchen aufmerksam, die gewissermaßen “eine Etage tiefer” wachsen und gedeihen. Seltenere, zum Teil auch “Rote Liste”-Arten – wie z.B. Frauenspiegel, Acker-Vergissmeinnicht, Ackerröte, Ackerfrauenmantel oder Acker-Lichtnelke – mögen zwar eher im Verborgenen blühen, spielen aber wichtige Rollen im empfindlichen Geflecht der Artenvielfalt. Denn über 1.200 Tierarten sind an diese natürliche Blütenvielfalt angepasst.

BIOLAND-Bauer Hilarius und seine Frau Claudia genießen diesen farbenfrohen Erfolg mindestens genauso wie wir, sehen sie doch ihre Felder nicht als bloße “Getreidefläche”. Und so zeigt uns “da Hilli” eben nicht nur mit berechtigtem Stolz, wie prächtig Hafer und Dinkel für unser Krunchy wachsen, sondern was sonst noch so alles hier leben darf. Ja, richtig: “leben darf”! Denn auf intensiv genutzen, mittels Agrochemie gereinigten Äckern ist kein Platz für diese Vielfalt. Diese Felder sind so gesehen “tot”, erfüllen keine Funktion für die Biodiversität. Und wer genauer hinschaut, wird bemerken, was es zwischen den Getreideähren zu entdecken gibt: nichts.

Barnhouse Ackerwildkräuter-Projekt
Öde, totgespritzte Ackerwüsten (links und rechts) vs. lebendige, artenreiche Felder (Mitte)

Nachdem uns Claudia noch eine kleine Stärkung in Form von frisch gebackenen Kräuterschnecken (köstlich!) angedeihen lässt, geht’s weiter zu Franz und Luise Egger nach Unterzarnham, deren Hof in einer wunderbar idyllischen Landschaft liegt.

Barnhouse Ackerwildkräuter-Projekt
Rosa und Partner-Landwirt Franz bei der Bestandsaufnahme der Ackerwildkräuter

Franz baut in diesem Jahr Dinkel für Barnhouse an. Puuh, die Mittagssonne ist mittlerweile schon ziemlich heftig, macht aber den Duft der Echten Kamille, der uns am Feldrand empfängt, noch intensiver. Hier wird der Erfolg unseres Ackerwildkräuter-Projekts erst auf den zweiten Blick sichtbar, denn auf Franz’ Acker fühlen sich vor allem die zarteren, niedrig wachsenden Kräuter wohl. Vorsichtig gehen wir durchs Feld und Rosas geschulter Blick lässt uns zwischen den Dinkelähren eine vielfältige Artenwelt entdecken.

Unser Fazit: Die Saat für mehr Artenvielfalt ist im wahrsten Sinne des Wortes aufgegangen. Höchst sensibilisiert treten wir den Heimweg an – und sind von den vielen öden “Getreidewüsten” frustriert, die wir auf der Rückfahrt passieren… Aber wie gesagt: Die Saat ist aufgegangen und das Bewusstsein für die notwendige Förderung der Artenvielfalt bei Politikern, Landwirten, Verbrauchern u.a. wächst!

Auf der Webseite des “Netzwerks Blühende Landschaften” gibt es für Landwirte, Bürger, Gärtner u.a. weiterführende und lesenswerte Infos.